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Bei Affenhitze schlug es 13; Immer wieder sind sie ein Highlight im Turnierkalender des Tennis-Verbands Berlin-Brandenburg: die Seniorenmeisterschaften beim BSV 92.
Das 63. Championat war es anno 2010, das die Herren und Damen ab 40 aufwärts mit ihren Rackets bestritten. Jedes Jahr dasselbe, was soll da schon Aufregendes passieren, stöhnen vielleicht ein paar Ignoranten, die sich noch nie richtig auf das eingelassen haben, was ihnen da geboten wird.
Die TVBB-Seniorenmeisterschaften haben sich längst zum „Dauerbrenner“ entwickelt. Vor allem der zweite Wortbestandteil charakterisierte die Veranstaltung in diesem Jahr: „Brennen“ für diese alljährliche Veranstaltung, das taten sowohl die Turniermacher und Organisatoren um Wolfgang Haase, Alfred Krüger und Inge Kubina als auch die Aktiven in den diesmal 14 Wettbewerben. Und diesmal „brannte“ sogar noch jemand kräftig mit, den man gerne in seiner Wirkung ein wenig gebremst hätte: Die Sonne sengte erbarmungslos vom Himmel, wie man es in den eher von Regenschauern gekennzeichneten Vorjahren noch nicht erlebt hatte.
Der Planet hielt diese meteorologische Unterstützung die ganze Turnierwoche durch und bot am Finalsamstag, an dem die deutschen Fußballer mit ihrem 4:0 im WM-Viertelfinale die Gemüter noch zusätzlich erhitzten, seine Topleistung. 35 bis 40 Grad - gefühlt wohl um die 50 - wurden auf den sieben Ascheplätzen des BSV gemessen, auf denen in zwei Durchgängen zwischen 11.30 Uhr und 15.59 Uhr das gesamte „14-Endspiele“-Programm abgewickelt wurde. Eine Minute vor vier, leicht zu merken, weil nur wenige Sekunden nach der Sieges-Meldung von Jörgen Jacobs und Klaus Müller-Boesser im Herren 60-Doppel die deutscher Fußball-Gala in Südafrika angepfiffen wurde. „Ist das Timing?“, strahlte Turnierchef Wolfgang Haase. Die Kicker-Unwägbarkeiten – Verlängerung, Elfmeterschießen oder was sonst noch – hätten die ganze schöne Dramaturgie (bis 16 Uhr Finals, dann Public Viewing auf der BSV-Terrasse, ab 19 Uhr schließlich die Ehrung der Preisträger mit Musik, Speis und Trank) völlig durcheinander wirbeln können. Eine unbegründete Sorge: Das Ganze wurde im Gegenteil eine gelungene und runde Sache. Auch die meisten derjenigen, die sich schweißtreibend auf den Ascheplätzen gemüht hatten und danach zum Duschen und Fernsehen nach Hause gefahren waren, kamen zurück und konnten die Freude über das Gesehene mit den anderen teilen. Wolfgang Haase freilich ärgerte sich dennoch über die Fehlenden. „Mein Verständnis dafür ist begrenzt“, das sagte er auch schon letztes Jahr..
Abgesehen davon, hatte Haase bei „seinen Seniorenmeisterschaften“ deutlich mehr Anlass zur Freude. 156 Meldungen aus 43 Vereinen in 14 Konkurrenzen bedeuteten einen starken Zuwachs gegenüber dem Vorjahr. Verantwortlich dafür waren in erster Linie die Männer, die mit ihren 131 Teilnehmern (plus 21 zu 2009) gegenüber den 25 Frauen in der Tat für eine wortgetreue Relation zwischen „starkem“ und „schwachem“ Geschlecht sorgten. Gleichwohl, der Zulauf machte Freude! Den höchst positiven Gesamteindruck der „63.“ spiegeln die folgenden Worte Wolfgang Haases wieder: „Wir haben unsere Seniorenmeisterschaften mal wieder bravourös über die Runden gebracht und attraktives Senniorentennis gesehen“, sagte er bei der Ehrung der Preisträger. „Es wurden hervorragende Spiele geboten, das Niveau hat zugenommen“, stellte er fest und hob hervor, „dass daran auch eine Reihe neuer Aktiver ihren Anteil hatten“. Als Beispiel nannte er die in den vergangenen Jahren nicht präsenten Spieler des TC Tiergarten um Herren 40-Zweifachsieger Burkhard Scholz (Einzel und Doppel), die vom 1. Vorsitzenden des Vereins Freddi Liske energisch zur Teilnahme animiert worden waren.
Sportlich hatten die Meisterschaften vor allem bei den Herren nahezu durchweg gutes Niveau. Und auch in den vier Frauen-Konkurrenzen bekamen die Zuschauer von der zwar dünnen, aber erstklassigen Spitze – mit Kröger, Boesser, Dippner, Kubina, Bauwens – Top-Tennis geboten. Das Fazit: Bei Affenhitze schlug es 13! Denn - und erstaunlich genug - in den 14 Wettbewerben gab es nur eine einzige erfolgreiche Titelverteidigung. Für die sorgte Susanne Boesser im immergrünen Damen 50-Finalduell gegen Klubkameradin Katrin Dippner, die der Hitze Tribut zollen musste und „nicht den Widerstand auf Augenhöhe leisten konnte, wie ich es mir vorgenommen hatte“, wie sie selbst resümierte. Nach 3:6 im ersten Satz gab sie im zweiten Durchgang beim 1:2 auf.
Nur in zwei weiteren Altersklassen standen die Freiluft-Meister von 2009 in den Endspielen, aber sowohl Jörg Aberg (jetzt LTTC Rot-Weiß) gegen „Newcomer“ Burkhard Scholz (Tiergarten) bei den Herren 40 als auch Klaus Müller-Boesser (Blau-Weiß) bei den 60ern gegen Dr. Karl-Heinz Mauß (Grün-Weiß Nikolassee) unterlagen in zwei Sätzen. Scholz war gegen den starken Schweden Aberg beim 6:4/6:4 bei seiner ersten TVBB-Seniorenmeisterschaft mit seinem Angriffstennis einer der beeindruckendsten Sieger. Bei ihm ist zu hoffen, dass der Auftritt beim Verbandschampionat kein einmaliger bleibt. Überzeugend hatte sich der Wahlberliner, der aus Braunschweig stammt, durc h das Turnier gespielt und bei seinen vier Siegen nur einen Satz abgegeben. Die meisten Probleme hatte er im Viertelfinale mit Guido Schiller (Lankwitz), der sich beim 4:6/6:4 erst im Match-Tiebreak geschlagen gab.
Bei den Damen 40 gewann die Zehlendorfer Wespe Anne Kröger nach dem Hallen-Titel im Januar nun auch die Meisterschaft im Freien – und das gegen Lokalmatadorin Olga Kovalevska (BSV) mit 6:1/6:2 deutlicher als erwartet. Bei den 50ern gab es den bereits genannten Aufgabesieg für Susanne Boesser und in der Altersklasse dazwischen schaffte Birgit Ladendorf aus Neuruppin gegen Karin Reinhard (Lichtenrade) das einzige Brandenburger Meisterstück unter den 14 verteilten Titeln. Schon ein paar Wochen zuvor hatte sie beim Nikolassee-Seniorenturnier überrascht und gewonnen, nun ließ sie ihre erste TVBB-Meisterschaft folgen. Bis es soweit war, musste sie sich allerdings auf eine Gefühls-Achterbahn begeben. Den ersten Satz gab sie klar mit 2:6 an Reinhard ab, den zweiten gewann sie – immer sicherer werdend – ebenso klar mit 6:3. Das setzte sich im Match-Tiebreak fort, in dem sie auf 7:2 davon zog. Doch plötzlich klemmte die Tennis-Säge: die bis dato präzisen Bälle zu lang, die Volleys ins Aus, die Aufschläge ins Netz. Und plötzlich stand es nur noch 8:7 und 9:8. Dann erst kam der erlösende Punkt, die Verkrampfung löste sich und Birgit Ladendorf durfte jubeln.
Das Frauen-Doppel schließlich gewannen erwartungsgemäß Susanne Boesser/Christine Mallon, die dem älteren Paar Inge Kubina/Sylvia Bauwens (alle TC 1899 Blau-Weiß), als Super-Senioren-Europameisterinnen der Damen 65 und 60 (Pörtschach, Österreich) mit frischen Meriten versehen, mit 6:3/6:1 überlegen waren.
Bei den Herren siegten in den zehn ausgespielten Konkurrenzen (davon drei Doppel) vier Mal die topgesetzten Spieler. Dr. Guido Schulz (LTTC Rot-Weiß) hatte bei den Herren 45 dabei allerdings gegen den an Nummer 2 rangierten Stephan Schründer (TK Blau-Gold Steglitz) beim 6:1/2:6/1:0 (10:6) ebenso harten Widerstand zu überwinden wie der Vielfach-Sieger vergangener Jahre Henk du Bruyn (Grün-Weiß Nikolassee) bei den 50ern beim 6:4/7:5 gegen Peter Kemkes (Lichtenrade). Etwas einfacher war es für die beiden Grün-Weißen Jürgen Schulz und Dr. Karl-Heinz Mauß aus Nikolassee, die ihre Finals gegen Amajol Raissov (SpoK) und Klaus Müller-Boesser (TC 1899 Blau-Weiß) mit 6:4/6:2 bzw. 6:4/6:0 gewannen. Bei den Herren 65 holte sich ein längere Zeit in den Meister-Statistiken nicht präsenter, wiedererstarkter Michael Wlodasch (inzwischen beim Potsdamer TC Rot-Weiß) nach turbulentem Verlauf nach 2:6 und 6:1 im Match-Tiebreak den Sieg gegen Wolfgang Clemenz (Weiß-Rot Neukölln), der nach diversen Gesundheitsproblemen ein erfolgreiches Comeback feierte. Die größte Überraschung freilich gab es wohl bei den 70ern. Denn nicht der Abonnementssieger Carsten Keller (LTTC Rot-Weiß) wurde am Ende Champion, sondern Jürgen Blaumann von den Berliner Bären. Der Pankower, der einst in der DDR das Tennisspielen erlernt hat, war auf seinem eindrucksvollen Weg ins Finale nicht aufzuhalten: Zunächst besiegte er Jürgen Thron (SCC) mit 6:4/6:1, dann kam Ex-Polizeipräsident Hagen Saberschinsky (LTTC Rot-Weiß) mit 6:0/6:1 an die Reihe und dann im Halbfinale Carsten Keller mit 6:4/6:4. Auch das Finale gegen Manfred Gatza (TC SCC) war eine klare Angelegenheit – Blaumann siegte 6:1/6:4! Im 60er Doppel trat Blaumann gemeinsam mit Carsten Keller an, dort aber war im Halbfinale mit 6:7/2:6 Endstation gegen Dr. Mauß/Clemenz, die sich freilich ihrerseits im Endspiel Joergen Jacobs/Klaus Müller-Boesser (TC 1899 Blau-Weiß) im ergebnistechnisch spannendsten der 14 Duelle beugen mussten. Nach 4:6 im ersten Satz schlugen die neuen Meister im zweiten mit 7:6 zurück, so dass der Match-Tiebreak entscheiden musste. 13:11 hieß es am Ende für Jacobs/Müller-Boesser – dann war es, man erinnert sich, 15.59 Uhr und die Fußball-Show gegen Argentinien konnte beginnen.
Zwei Herren-Doppel sollen hier nicht vergessen werden: Bei den 40ern trafen im Finale vier Tiergartener aufeinander, mit Burkhard Scholz/Oliver Hinz gewannen die Favoriten gegen die Herausforderer Dima Tatur/Aleksander Waisberg mit 6:4/6:3. Das Doppel bei den 50ern ging an die an Nummer 2 gesetzten Thomas Weinert/Peter Obst (TC 1899 Blau-Weiß), die Uwe Schulz/Thomas Müller (Rotation Friedrichsfelde/ Adlershofer TC) mit 6:3/6:2 sicher in Schach hielten.
Was wäre sonst noch zu sagen nach den 63. TVBB-Verbandsmeisterschaften? Danke an die Organisatoren, Danke an die Aktiven für tollen Sport! Und nicht vergessen: Von Samstag, den 15. Januar, bis Sonntag, den 23. Januar 2011, finden in der festen Halle des BSV/BSC/TC Wilmersdorf die TVBB-Hallenmeisterschaften der Seniorinnen und Senioren statt!
Die Ergebnistableaus aller Konkurrenzen finden Sie hier.
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